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Der nächste Bitte

Frau Wutschnik bitte, braust die Stimme der Arzthelferin durch das Mikrofon in den unterdrückten Lärm des Wartezimmers. Wäre es kein Wartezimmer, würden die Leidensgenossen und Innen viel lauter sprechen und sich, nun lebhafter gebärden. Aber das gehört nicht dorthin. Wahrscheinlich liegt es wohl daran, dass der Aufenthalt grundsätzlich mit einer Art Unwohlsein (allgemein ausgedrückt) zusammenhängt.
Eine ältere rundliche Dame zuckt kurz und bewegt sich dann mit gehetzter Zurückhaltung zum Ausgang. Ihre Züge spiegeln Erleichterung und Anspannung zugleich. Ja sie wurde erlöst aus der qualvollen Zeit des Wartens. Ihre Fragen nach Ihrem Befinden und dem Grund des aktuellen Nicht-Gut-Fühlens werden von dem studierten Experten beantwortet werden. Und genau darin liegt auch Ihr Problem. Wer weiß denn schon, was sich hinter einem vermeintlichen so kleinen Kratzen, oder minimalen Verdauungsstörung verbergen mag? Unser Körper, so bekannt er uns auch ist, ist ein Tummelplatz der Unwägbarkeiten, ja ein einziges Mysterium. Ein Äderchen hier, ein Virus da. Wer kennt sich da schon aus. Und obwohl es mir gut geht, bin ich vielleicht schon todkrank. Je länger ich darüber nachdenke desto kranker fühl ich mich. Vielleicht sollte ich mich zuhause sofort ins Bett legen – vorbeugend so zu sagen. Sind eigentlich noch genug Vitamine im Haus? Ich sollte auf jeden Fall noch Vitamin C kaufen, denn hier in diesem Bazillenmutterschiff der Genesungsindustrie, fängt man sich garantiert den Infekt, den man noch nicht hatte. Somit stellen Arztbesuche eine eklatante Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Aber wenn ich nicht zum Arzt gehe, befinde ich mich auch quasi in tödlicher Bedrohung. Und dann weiß man nicht, ob künstliche oder natürliche Vitamine, oder ins Bett legen und schonen, oder frische Luft und Desensibilisierung durch Kontakt mit Menschen, also auch mit den, auf ihnen angesiedelten Keimen.

Ja wie soll man denn noch das Leben genießen, wo man doch vor lauter Lebenserhalt gar nicht dazu kommt.

1.1.16 18:28, kommentieren

Heldentum

Was passiert mit den Helden, wenn die Mission vorbei ist? Egal ob man freiwillig, mit Absicht oder durch eine Art Unfall dazu wurde. Kann man zurück, nach all dem, was man gesehen hat? Wie den Alltag meistern? Wie die unvermeidlichen Fehlschläge, die am Podest kratzen? Was, wenn die Maske fällt und sich zeigt, man hatte die ganze Zeit schreckliche Angst, wußte meist nicht was man tut und hatte riesiges Glück. Vielleicht glaubte man auch die ganze Zeit, ich doch nicht. Großes, Entscheidendes, dass können andere - ich nicht. Und irgendwie ist man plötzlich mittendrin, ungeplant, will nur noch weg, aber irgendwie macht man alles richtig, wie auch immer, bisher. Man scheint zweimal zu existieren, kompetent handelnd und ungläubig zuschauend. Vielleicht ist es ja auch ganz anders. Vielleicht wäre man auch gerne ein Held, kann aber irgendwie nicht aus der Haut, Im wichtigen Moment friert man ein, zögert, hat Angst. Vielleicht leidet man heimlich an der eigenen Belanglosigkeit, Jämmerlichkeit, vielleicht versucht man es weiter, hofft....
Oder man gibt auf und langsam verkümmert ein Teil der Seele. Vielleicht hat man auch völlig vergessen, was möglich ist und der Blick ist trüb geworden. Die Schwingen auf dem Rücken sind festgewachsen und außer einem gelegentlichen Kitzeln, ist nichts übrig. Vielleicht, wenn man stark genug kratzt - Blut, Tränen und Asche abwäscht, kehrt der alte Glanz in die Augen zurück, die Taubheit verschwindet und langsam, irgendwann summen Federn im Wind.

15.1.16 19:04, kommentieren

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15.1.16 19:51, kommentieren