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Vollkorngeschoss

Ich habe Angst vor meinem Bäcker
Es ist ungewöhnlich und erstmal denkt man vermutlich wieso? Zahnarzt würde ich verstehen, aber Bäcker? Das fing auch eher schleichend an.
Er hat so einen Marktstand und ist lustig, dachte ich. Erst hat sich im Spaß beschwert, weil ich halt wählerisch bin mit meinen Brötchen. Wieso auch nicht? Also erst hat er kleine Spitzen fallen lassen, wieso ich denn keine Sonnenblumenbrötchen will. Dann hat er sich geweigert mich zu bedienen und ich musste mir meine Brötchen selbst einpacken. Ok, Anfangs war das irgendwie auch witzig, denn er hat nicht damit gerechnet, dass ich das tatsächlich mache. Dann aber hat er plötzlich angefangen mit der Brötchenzange nach mir zu schnappen. Nachdem er meinen kleinen Finger böse erwischt hatte, hab ich meine eigene Zange mitgebracht.
Ja, natürlich muss ich nicht zu diesem Bäcker gehen, aber die Brötchen sind toll.
Also, mit der eigene Zange wähnte ich mich in Sicherheit und das war auch zunächst so. Das Gesicht hättet ihr sehen sollen, als klar war dass der Zangentrick mir nix mehr anhaben kann. Ha! Großartig.!!! Aber ich hab meinen Gegner unterschätzt. Als ich gerade meine Zange aus der Tasche hole, attackiert er mich wie bei einem Schwertkampf. Das war dann auch der Zeitpunkt wo alles eskaliert ist. Also die Zangen trafen auf einander und vor Schreck habe ich mit dem Ellbogen Makronen vom Tresen auf einen schlafenden Säugling gewischt. Durch die Ablenkung musste ich einen Treffer am linken Ohr hinnehmen. Dafür bekam der Bäcker ein Baguette in den Magen. Dem dilettantisch geworfenen Schwarzbrot konnte ich gerade noch ausweichen und so bekam es ein alter Herr auf die Nase. Die anderen Kunden haben schnell das Weite gesucht und der blutende Senior suchte Schutz beim angrenzenden Gemüsestand.
Inzwischen hatte ich mir den Korb mit den Brötchen geschnappt und lies es Vollkornkugeln hageln. Gott sei Dank war der Korb auch ein guter Schild, denn Brote sind ziemlich hart an und der verdammte Teigpantscher hatte einen großen Vorrat.
Körner ritzten Haut, Krusten schlugen Platzwunden und Eier machten alles einfach nur eklig.

Mein Brötchenvorrat war versiegt und der Bäcker griff nach den Porreestangen der Nachbarn. Meine Sicht war von Krümeln und Blut verschleiert. Aus Verzweiflung erleichterte ich die anderen Nachbarn um ein paar Basilikumtöpfe. Während ich mit diesen ein paar eher unwichtige Treffer landen konnte, schränkten sie aber seine Sicht ein und der Bäcker sah den Kürbis einfach nicht kommen bis es zu spät war. So niedergemäht schenkte ich ihm ein irres Lachen und rannte um mein Leben. Noch ein paar Augenblicke schwirrten mir Makronen um die Ohren, dann hörte ich nur das Keuchen meines Atems.

So bin ich nur knapp, mit halbwegs heiler Haut davon gekommen. Jetzt stehe ich hier und sehe den Stand aus sicherer Entfernung. Ich war drei Wochen nicht mehr auf dem Markt. Meine Haare sind gefärbt, die Fäden gezogen und der Elektroschocker entsichert. Ich atme ein, wappne mich und meine Hände beginnen zu zittern.

5.12.16 18:25

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